Mit Ernst Rubli hat die OLG Schaffhausen ihren OL-Pionier verloren. Am 9. Mai haben sich viele WegbegleiterInnen, auch von der OLG Schaffhausen, im Reinhardwald von ihm verabschiedet.

Er ist am 21. April nach einem kurzen Aufenthalt im Kantonsspital Schaffhausen verstorben. Dies im Alter von fast 94 Jahren. Bis zuletzt durfte er in seinem Haus an der Rheinbühlstrasse selbstbestimmt leben. Da war früher «das Herz» der OL-Bewegung in Schaffhausen. Denn Ernst Rubli verwaltete während Jahrzehnten die für die Sportart notwendigen Materialen: Die rot-weissen Postenflaggen, die Stangen, an denen diese aufgehängt werden, die dazugehörigen Zangen zum Stempeln (heute sind es elektronische Einheiten) und – immer wichtiger werdend – die OL-Karten. In Letztere investierte Ernst Rubli sehr viel Zeit. Er verbrachte unzählige Stunden im Wald, um an insgesamt 14 Kartenprojekten der Region entscheidende Beiträge zu leisten. Es war damals wie heute eine immense Präzisions- und Geduldsarbeit. Die Unterstützung durch seine damalige Ehefrau Brigitte machte es möglich, dass er dieser Passion neben der Familie mit drei Söhnen frönen konnte.
Erstes Prunkstück war die Lauferbergkarte, die 1975 in Kooperation mit dem OLK Rafzerfeld und ihrem unermüdlichen Animator Werner Flühmann sowie der eben erst gegründeten OLG Dachsen als erste Spezialkarte im Kanton erschienen ist. Sie ermöglichte die zweite Etappe des damaligen Schweizer 5-Tage-OL, der am 25. Juli 1975 rund 3500 Läuferinnen und Läufer nach Neuhausen brachte. Ernst Rubli war Laufleiter und durfte erleben, wie die Sportart OL zu dieser Zeit erwachsen geworden ist.

Als Ernst Rubli im Jahr 1957 in Henggart beim Weinländer-Mannschafts-OL seine Premiere lief und die Faszination OL ihn auf Anhieb gefesselt hat, war die Sportart noch ein Anhängsel vorwiegend bei den Turnern und stand im Schatten der damals populären militärischen Patrouillenläufe. Sie entwickelte sich sukzessive zur eigenständigen Sportart, im Kanton Schaffhausen mit Ernst Rubli als einer der treibenden Kräfte. Er zählte 1972 zu den Gründungsmitgliedern der OLG Schaffhausen, die aus der losen Vereinigung der «Schaffhauser OL-Freunde» hervorgegangen war. Zwei Jahre später übernahm er für vier Jahre das Präsidium. Bis ins Jahr 2000 war er in der Organisation des Schaffhauser OL immer wieder aktiv, zuletzt als Bahnleger beim Tiomila-Langstrecken-OL auf der grössten OL-Karte des Kantons, dem Wannenberg. Obwohl Ernst Rubli – wie sein Sohn René berichtet – in der Kategorie H70 vor dem Wechsel zu H75 seine aktive Laufbahn unvermittelt beendete, blieb er dem OL-Sport verbunden und war als Zuschauer an der OL-Fünferstaffel zum Jubiläum 50 Jahre OLG Schaffhausen ebenso gerne gesehener Gast wie zuletzt noch am 52. Schaffhauser OL vom 22. März 2026 im Wettkampfzentrum auf der Breite.
Ernst Rubli lebte auch für seinen Beruf – als Stadtpolizist war er überall bekannt und geachtet. Als Organisator von Orientierungsläufen kam ihm das – vor allem in eher «struben» Zeiten – entgegen. Ein grosses Anliegen war ihm in all den Jahren bis zuletzt die Nachwuchsförderung. Ernst mit seinem grosses Wissen zur OL-Geschichte wird uns fehlen. Doch Erinnerung und Respekt vor seinen Leistungen bleiben. Wie sehr er in der OLG Schaffhausen geachtet wurde, zeigte sich am Jubiläumsfest im November 2022: Die feiernde Runde verlieh ihm den OLG-Award «Best Director» für seine Präsidialzeit und alle sonstigen Verdienste. Adieu und vielen Dank, Ernst.
(Beat Meier)
Auszug aus den Schaffhauser Nachrichten vom 26. Juli 1976:
